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Das Pornogesetz von Großbritannien

In Großbritannien sollen zukünftig nur mehr Nutzer über 18 Zugriff auf Pornoseiten erhalten, um Kinder vor obszönen Inhalten zu schützen. Das könnte bedeuten, dass man seine Kredit- oder Reisepassdaten angeben, oder bei einem Kiosk einen sogenannten Pornopass kaufen muss.

Es war kein gutes Jahr für das Internet. Zuerst trat die DSGVO in Kraft. Diese hatte keine großen Auswirkungen, abgesehen davon, dass Social-Media Accounts von Nutzern unter 16 gesperrt worden waren und dass einige Websites für EU-Nutzer nicht mehr verfügbar waren, darunter die LA Times.
Kurz darauf gab es den Aufschrei bezüglich des Upload-Filters, über welchen das EU-Parlament am vierten Juli abstimmen wird.

 

Registrierung oder Pornopass

Jetzt entsteht ein Internetregulierungsgesetz in Großbritannien. Das sieht vor, dass unter anderem Rechnungen für den Mobilfunk begrenzt und Schwarzkopierer härter bestraft werden. Auch ein gesetzlicher Anspruch auf einen Breitbandanschluss ist in dem Gesetz vorgesehen.
Allerdings auch eine Regulierung von Pornoseiten. Zukünftig werden diese nur mehr Internetnutzern ab 18 Jahren zugänglich sein.
Um Pornoseiten weiterhin aufrufen zu können, soll man zukünftig sein Alter mittels Kreditkartendetails, Reisepass oder E-Mail-Adresse verifizieren. Welche Information man genau preisgeben muss, ist im Moment aber noch unbekannt.
Die Alternative wäre, einen sogenannten Pornopass zu kaufen. Das ist ein 16-stelliger Code, welcher laut Bericht des Telegraph bald für zehn Pfund an britischen Kiosken erhältlich sein wird.

 

Kritik

Kritik an dem Gesetz, welches eigentlich schon im April in Kraft treten sollte, gibt es zu Hauf.
Das größte Bedenken ist der Datenschutz. Experten fürchten, dass die britische Regierung für die Altersverifikation unter anderem eine Software namens „Age ID“ verwenden will.
Diese wurde von der Firma MindGeek entwickelt, die der Besitzer von Pornhub, YouPorn, RedTube und diversen anderen Pornoseiten ist.
MindGeek hat allerdings keine guten Erfahrungen mit Diskretion, denn 2016 schwirrten plötzlich die Daten von 800.000 Nutzerinnen und Nutzern im Netz herum.
Des Weiteren seien die Datenbanken nicht ausreichend vor Hackern geschützt. Außerdem birgt es immer Gefahren, zum Beispiel Reisepass-Daten im Internet preis zugeben.
Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die Regelung Jugendliche kaum von dem Konsum von Pornos abhalten wird. Diese könnten die Regelung mittels eines VPN-Dienstes umgehen, oder eine volljährige Person könnte ihnen einen Zugangscode weitergeben. Außerdem reguliert das Gesetz nicht die Nutzung von Social-Media-Diensten, auf welchen ebenfalls pornografische Inhalte zu finden sind.

 

© Titelbild: iStockphoto/scyther5