Bundesjugendkonferenz Medien Rostock

Vom 14. bis 17. März brachen erneut hunderte Jugendliche auf nach Rostock. Es sind Medienscouts, die wie jedes Jahr an der Bundesjugendkonferenz Medien teilnahmen. Sie unterstützen ihre Mitschüler und Lehrer bei allerlei medienbezogener Fragen. Auf der Konferenz werden die Schüler weitergebildet und erlangen weiteres Wissen, das bei ihrer Tätigkeit in der Schule helfen soll. Im Laufe der Tage partizipieren die Schüler in selbst gewählten Workshops, die relevante Medienthemen aufarbeiten. Auch sind viele Gastsprecher vor Ort, die tiefere Einblicke in Themen wie die Datensammlung größere Unternehmen gewähren. Auch ein Theaterstück war Bestand der Konferenz und einzelne Tischgruppen diskutierten über Themen wie die Altersfreigabe von Apps oder Präventionsmaßnahmen im Medienbereich.

Wir waren vor Ort und haben uns die vielen Vorträge und Workshops angesehen sowie weitere Eindrücke gesammelt. Zudem konnten wir von Organisator Marcel Müller weitere Details erfahren.

Anreise

Die Anreise erfolgte per Reisebus lokaler Unternehmen. Insgesamt hatten sich etwa 400 Scouts angemeldet, wovon auf Grund der hohen Nachfrage letztendlich 300 Medienscouts aus 11 Bundesländern teilnehmen konnten. Zunächst wurden die einzelnen Schulgruppen eingesammelt und knüpften erste Kontakte. Die verschiedenen Busgruppen machten sich auf den Weg zum Hotel Radisson Blu, welches schon seit Jahren den vielen medieninteressierten Scouts Unterschlupf bietet. Aufgrund von kleineren Verspätungen bei der Fahrt verzögerte sich die Ankunft einiger Gruppen etwas, doch am Ende fanden alle zusammen und trafen sich zum ersten Kennenlernen.

Workshops

Auch dieses Jahr wurde wieder auf das sich bewährte Workshop-System zurückgegriffen. Schüler hatten vor Antritt der Reise die Möglichkeit, frei nach ihren Interessen Arbeitsgruppen mit für Sie ansprechenden Themen auszuwählen. Darunter waren beispielsweise Gebiete wie Darknet, Mobbing oder eSport. Zwei der vielen themenreichen angebotenen Workshops konnten besucht werden. Auch Betreuer nahmen parallel zu den Schülern an eigenen Workshops teil. Wir haben uns die Workshops “Medienscout-Portal” sowie “WhatsApp-Alternativen” etwas näher angeschaut.

Medienscout-Portal

Das als Website und App zugängliche Portal dient dazu, die Arbeit der zahlreichen Medienscouts zu erleichtern und diese besser untereinander zu verknüpfen. Auf der Konferenz vor zwei Jahren wurden von den Medienscouts Wünsche und Konzepte erarbeitet, auf welcher die Anwendung basiert. Die bereits in Google Play und AppStore erhältliche App enthält Funktionen, wie die Suche nach teilnehmenden Schulen und Experten. Gemeinsam können Projekte erstellt und Materialien verteilt werden. Mit dem Einzel- und Gruppenchat können Scouts deutschlandweit zusammenarbeiten.

WhatsApp Alternativen

WhatsApp wird Werbung bekommen. Schon länger plant das von Facebook aufgekaufte Unternehmen im Status-Reiter der App Werbungen zu schalten. Dies und viele weitere Datenschutzbedenken führen dazu, dass sich immer mehr Menschen für Alternativen entscheiden. Die wohl bekanntesten sind Telegram, Threema, Signal und Wire. Alle der vier sind WhatsApp in ihren Funktionen ähnlich, bei Signal und Wire gibt es sogar zusätzliche Funktionen, wie das Selbstzerstören von Nachrichten. Viele wollen umsteigen, weg von der “Datenkrake Facebook”, doch meist hält sie ihr Freundeskreis an WhatsApp fest.

Big Data

Einer der wohl bemerkenswertesten Vorträge war der von Viktor Mayer-Schönberger. Er kam extra von der bekannten britischen Oxford Universität, um die rund 300 Medienscouts über die Möglichkeiten von Datensammlungen und deren Auswertung aufzuklären. Er ist als “Professor für Internet Governance” tätig.

Schneller & besser

Mayer-Schöneberger erklärt, dass viele Daten neue Blickwinkel auf Dinge und Sachverhalte ermöglichen. Mit ihnen können wir schneller und besser entscheiden, wir lernen aus Daten.

So hat zum Beispiel die Lufthansa durch das Speichern der im Flug aufgenommenen Wetterdaten die Genauigkeit der Wettervorhersagen um 7% gesteigert. Dem Massachusetts Institute of Technology gelang es sogar, durch das Sammeln der Preise von Online-Marktplätzen eine aktuelle Inflationsrate zu berechnen, die der öffentlichen Statistik um Monate voraus ist und Krisen früher erkennen lässt.

Auch die bekannte Sprach-Lern-App Duolingo verwendet gewonnene Daten zu Optimierung des Dienstes und des Lernprozesses. So wird beispielsweise die Reihenfolge der Lektionen durch die gewonnenen Erkenntnisse angepasst.

Ich weiß, was du diesen Sommer tun wirst

Doch die gesammelten Daten führen auch zu ethischen und moralischen Fragen und Konflikten, mit welchen wir uns früher oder später auseinander setzen müssen.

Daten machen uns berechenbar. So benutzt beispielsweise die Polizei in Bonn bereits ein Verfahren, das ihnen anzeigt, wo wahrscheinlich die nächsten Straftaten begangen werden. Doch wo hört die Grenze auf? Was wenn Algorithmen in Zukunft Straftaten genau vorhersagen können, was fängt man mit dem Wissen an? Werden Personen dann im Voraus für etwas bestraft, das sie nie getan haben? Wenn ja – macht es dann noch einen Unterschied ob man dies tut? Wo hört der freie Wille auf?

Künstliche Intelligenz immer wichtiger

Amazon macht ein Drittel seiner Käufe durch Empfehlungen von Algorithmen. Produkte werden an den Kunden angepasst und seine Interessen und sein Kaufverhalten spezifisch angesprochen.

Auch neue Innovationen werden ihren Weg ans Tageslicht in Zukunft verstärkt durch Daten-getriebene maschinelle Lernprozesse statt durch menschliche Ideen finden.

Licht an und Vorhang auf

Neuer Tag, noch mehr Infos. Nach dem Frühstück kamen die Medienscouts im Hauptsaal zusammen, das Licht ging aus, Zeit für Theater. Auf der Bühne stand ein dreiköpfiges Team des “comic on!” Tourneetheaters. Auf humoristisch, satirische Weise setzten sie an einem Fallbeispiel die Gefahren von Online-Sexting visuell um. Dabei spielte das Stück vor allem mit der Frage der Schuld und Verantwortung sowohl des Opfers als auch der Beteiligten. In der anschließenden Fragerunde wurden diese und weitere Faktoren ausführlich diskutiert.

“Comic on!” Gibt es seit 1990. Die Schauspieler führen diverse Theaterstücke zum sozialen Zusammenleben von Schülern auf und thematisieren Themen wie Sexting, Mobbing oder Persönlichkeitswahrnehmung.

Gemeinsamer Ausflug

Am Samstag stand zudem ein abschließender Ausflug der Scouts an. Gemeinsam ging es nach Warnemünde, wo am Leuchtturm auch das jährliche Gruppenfoto aufgenommen wurde.

Zuvor ging es noch an den Strand und ans Meer, welches als Motiv für allerlei sonstige Bilder diente.

Game Over

Nach dem Ausflug setzten sich die Medienscouts, Referenten, Betreuer und Organisatoren noch ein letztes Mal zusammen, um den Medienscouts ihre wohl verdienten Teilnehmerzertifikate zu überreichen und die letzten Tage Revue passieren zu lassen. Abschließend wurde den Hotelmitarbeitern, Moderatoren und den vielen Organisatoren gedankt, welche die Konferenz in dieser Form erst möglich machten.

May we meet again

Die Planungen für eine neue Bundesjugendkonferenz Medien im Jahr 2020 steht bereits in den Startlöchern und wird im nächsten Jahr ihr 5-jähriges Bestehen feiern. In wenigen Wochen werden bereits erste Rahmenbedingungen besprochen, zwischen Mai und Juli geht es dann an die tiefere Planung, wie einer der Organisatoren Marcel Müller verriet. So soll auch eine gemeinsame Feier Teil des Programms werden.

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